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Kategorie: Gesundheit

Adrenalin Medikament Dosierung: Ein Leitfaden für Fachpersonal

Adrenalin, auch bekannt als Epinephrin, ist ein lebensrettendes Medikament, das in einer Vielzahl von Notfallsituationen eingesetzt wird. Seine Fähigkeit, die Herzfrequenz zu erhöhen, die Bronchien zu erweitern und den Blutdruck zu steigern, macht es zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Notfallmedizin. Die korrekte Dosierung von Adrenalin ist dabei von entscheidender Bedeutung, um sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte der Adrenalin-Dosierung für Fachpersonal im Gesundheitswesen.

Die Bedeutung der Adrenalin-Dosierung in Notfallsituationen

Adrenalin ist ein körpereigenes Hormon und Neurotransmitter, das eine zentrale Rolle bei der "Kampf-oder-Flucht"-Reaktion spielt. In medizinischen Notfällen wird es synthetisch hergestellt und als Medikament verabreicht, um physiologische Prozesse gezielt zu beeinflussen. Die Dosierung muss präzise auf die jeweilige Indikation, das Alter und das Gewicht des Patienten sowie den Schweregrad der Erkrankung abgestimmt werden.

Eine Unterdosierung kann dazu führen, dass die gewünschte therapeutische Wirkung ausbleibt, was im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Folgen haben kann. Eine Überdosierung hingegen birgt das Risiko schwerer Nebenwirkungen, wie Arrhythmien, Hypertonie oder ischämische Ereignisse.

Anaphylaxie: Die primäre Indikation für Adrenalin

Die häufigste und wichtigste Indikation für die sofortige Gabe von Adrenalin ist die anaphylaktische Reaktion, eine schwere, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion. Bei Auftreten von Symptomen wie Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Rachenraum, Urtikaria, Hypotonie oder Schwindel muss Adrenalin umgehend verabreicht werden.

Dosierungsempfehlungen bei Anaphylaxie

Die Standarddosis für Erwachsene und Kinder über 25 kg Körpergewicht beträgt in der Regel 0,3 mg Adrenalin intramuskulär. Bei Kindern unter 25 kg Körpergewicht wird die Dosis auf 0,15 mg Adrenalin intramuskulär reduziert. Diese Dosen entsprechen typischerweise 0,3 ml bzw. 0,15 ml einer 1:1000 (1 mg/ml) Adrenalin-Lösung.

  • Erwachsene und Kinder > 25 kg: 0,3 mg (0,3 ml einer 1:1000 Lösung)
  • Kinder < 25 kg: 0,15 mg (0,15 ml einer 1:1000 Lösung)

Die intramuskuläre (i.m.) Verabreichung in den anterolateralen Oberschenkelmuskel ist der bevorzugte Weg bei Anaphylaxie, da sie eine schnelle Absorption gewährleistet. Bei ausbleibender Besserung oder progredienter Verschlechterung kann die Dosis nach 5-15 Minuten wiederholt werden. Bei schweren Fällen oder wenn die i.m. Gabe nicht ausreicht, kann eine intravenöse (i.v.) Gabe erwogen werden, die jedoch eine engmaschige Überwachung erfordert.

Herzstillstand: Adrenalin als Teil der Reanimationsstrategie

Adrenalin spielt eine entscheidende Rolle im Algorithmus der kardiopulmonalen Reanimation (CPR) bei erwachsenen Patienten mit nicht-defibrillierbarem Herzrhythmus (asystolie, pulslose elektrische Aktivität).

Dosierungsempfehlungen bei Herzstillstand (Erwachsene)

Die empfohlene Dosis für Adrenalin bei Herzstillstand beträgt 1 mg Adrenalin intravenös oder intraossär. Diese Dosis wird in der Regel alle 3-5 Minuten während der Reanimation wiederholt, bis die Reanimation erfolgreich ist oder beendet wird.

  • Erwachsene: 1 mg Adrenalin i.v. oder i.o. alle 3-5 Minuten.

Bei pädiatrischen Patienten mit Herzstillstand ist die Dosierung gewichtsabhängig und beträgt 0,01 mg/kg Adrenalin intravenös oder intraossär, wiederholt alle 3-5 Minuten. Dies entspricht 0,1 ml/kg einer 1:10000 (0,1 mg/ml) Adrenalin-Lösung.

  • Kinder: 0,01 mg/kg (0,1 ml/kg einer 1:10000 Lösung) i.v. oder i.o. alle 3-5 Minuten.

Die Entscheidung für die i.v.- oder i.o.-Gabe hängt von der Verfügbarkeit und der klinischen Situation ab. Die i.v.-Gabe ist bevorzugt, aber die i.o.-Gabe ist eine wichtige Alternative, wenn kein venöser Zugang gelegt werden kann.

Weitere Indikationen und spezifische Dosierungen

Neben Anaphylaxie und Herzstillstand kann Adrenalin auch bei anderen Notfällen eingesetzt werden:

Asthmaanfall und Bronchoschospasmus

Bei schweren Asthmaanfällen, die nicht auf Standardtherapien ansprechen, kann Adrenalin zur Bronchodilatation eingesetzt werden. Die Dosierung und Verabreichung erfolgt hier oft über Inhalationen oder subkutane Injektionen, wobei die Dosierung stark von der Situation abhängt und ärztlich verordnet werden muss.

Krupp-Syndrom (Laryngotracheobronchitis)

Bei schweren Formen des Krupp-Syndroms mit Obstruktion der oberen Atemwege kann die Inhalation von Adrenalin (oft als racemisches Epinephrin) eine schnelle Linderung der Symptome bewirken, indem es die Schleimhaut abschwellen lässt.

Hypotonie bei bestimmten Zuständen

In einigen Fällen von schwerer Hypotonie, die auf Flüssigkeitszufuhr oder andere Vasopressoren nicht anspricht, kann Adrenalin als Infusion eingesetzt werden. Die Dosierung ist hierbei individuell und erfordert eine sorgfältige Überwachung der Vitalparameter.

Verabreichungswege und Konzentrationen

Die Wahl des Verabreichungswegs und der Konzentration des Adrenalin-Medikaments ist entscheidend für die korrekte Dosierung:

  • Intramuskulär (i.m.): Hauptsächlich bei Anaphylaxie. Verwendet wird eine 1:1000 (1 mg/ml) Lösung.
  • Intravenös (i.v.): Bei Herzstillstand und schweren Notfällen. Verwendet wird üblicherweise eine 1:10000 (0,1 mg/ml) Lösung für die direkte Injektion, oder eine 1:100000 (0,01 mg/ml) Lösung für Infusionen.
  • Intraossär (i.o.): Als Alternative zur i.v.-Gabe bei Herzstillstand. Die Konzentrationen sind identisch zur i.v.-Gabe.
  • Inhalation: Zur Bronchodilatation bei Asthma oder Krupp. Spezielle Inhalationslösungen werden verwendet.
  • Subkutan (s.c.): Früher häufiger, heute weniger verbreitet für Adrenalin.

Es ist von größter Wichtigkeit, die verschiedenen Konzentrationen von Adrenalin-Präparaten auseinanderzuhalten und die richtige für die jeweilige Indikation und den Verabreichungsweg zu wählen. Verwechslungen können schwerwiegende Folgen haben.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei der Adrenalin-Dosierung

Die Verabreichung von Adrenalin sollte stets durch geschultes medizinisches Fachpersonal erfolgen. Folgende Punkte sind zu beachten:

  • Patientengeschichte: Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hyperthyreose oder Diabetes mellitus können die Indikation und Dosierung beeinflussen.
  • Überwachung: Patienten, die Adrenalin erhalten, insbesondere i.v., müssen kontinuierlich auf Vitalparameter wie Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung überwacht werden.
  • Nebenwirkungen: Mögliche Nebenwirkungen umfassen Tachykardie, Arrhythmien, Hypertonie, Palpitationen, Angstzustände, Tremor und Kopfschmerzen.
  • Gegenanzeigen: Absolute Gegenanzeigen sind selten, jedoch ist Vorsicht geboten bei Patienten mit bestimmten Herzrhythmusstörungen oder unter der Wirkung von MAO-Hemmern oder bestimmten Betablockern.
  • Dokumentation: Die genaue Dosierung, der Zeitpunkt der Verabreichung und die Reaktion des Patienten müssen sorgfältig dokumentiert werden.

Die Adrenalin Medikament Dosierung ist ein kritischer Aspekt der Notfallmedizin. Ein tiefes Verständnis der Indikationen, der verschiedenen Verabreichungswege und der genauen Dosierungsempfehlungen ist unerlässlich, um Leben zu retten und Komplikationen zu vermeiden. Dieses Wissen sollte regelmäßig aufgefrischt und durch praktische Schulungen vertieft werden.

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